• FRAUSEIN IN EFFI BRIEST VON THEODOR FONTANE UND
  • SOUS L´ORAGE VON SEYDOU BADIAN
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  • Issa DIABATE
  • Département d´Etudes Germaniques (DEG)
  • Université Yambo Ouologuem de Bamako (Mali)
  • ORCID iD: 0009-0007-7717-9183
  • diabateissa67@yahoo.fr

Einleitung: Das Thema „Frausein in der Gesellschaft“ ist nicht etwas Neues in der Weltliteraturgeschichte. Viele Schriftsteller[1] haben sich mit dieser Frage befasst, um diese nicht nur in ihren Werken darzustellen, sondern auch Stellung dazu zu nehmen. Das Interesse der vorliegenden Arbeit richtet sich auf zwei solcher Bücher, nämlich Effi Briest(1895) von Theodor Fontane (1819-1898) und Sous l´orage (1957) von Seydou Badian (1928-2018). Zwar haben die beiden Autoren andere Werke[2] geschrieben, in denen man auf dasselbe Thema stoßen kann, aber meine Untersuchung basiert auf den oben genannten Romanen, weil die Forschungsfrage nicht nur deutlich in den jeweiligen Büchern dargestellt wird, sondern sich die beiden Werke auch auf vergleichbare Strukturen nachweisen lassen, obwohl sie aus unterschiedlichen Epochen stammen. Übrigens verfolgen sie dasselbe Ziel, nämlich die untergeordnete gesellschaftspolitische Stellung der Frau als ,,Deuxième sexe[3] anzuprangern. Darüber hinaus könnten die beiden Autoren als ,Wegbereiterʻ für weibliche Emanzipation ihrer Epoche gelten. Der Roman Effi Briest, der auf einer wahren Ehebruchsgeschichte beruht, wird in der Bismarck-Ära[4]veröffentlicht und stellt die patriarchalische preußische Militärgesellschaft dieser Epoche dar. Diese Ehebruchsaffäre, die Fontane von Emma Lessing, der Frau des Chefs[5] der Vossischen Zeitung erzählt wurde[6], handelt von der Geschichte von Elisabeth von Plotho (1853-1952), ihrem Ehemann, Léon Armand von Ardenne (1848-1919) und ihrem Liebhaber, dem Düsseldorfer Amtsrichter, Emil Ferdinand Hartwich (1843-1886). Im Gegensatz zum Werk Effi Briest ist Sous l´orage auf keiner tatsächlichen Geschichte basiert, wie der Autor selbst ausführt:

  • «Est-ce que les personnages de votre roman Sous l´Orage sont réels ? Eh bien non! Les personnages de mon roman, je pense au père Benfa, à Birama, à Sibiri etc. sont des personnages que j´ai imaginés. Ils n´existent donc pas.»

In Effi Briest und Sous l´orage wird die Gesellschaftslage der Frau in vielen Bereichen thematisiert: von Kindererziehung über die Eheschließung bis zum Eheleben. Ziel meiner Arbeit ist es, dieses in den verschiedenen Lebensphasen dargestellte Frauenbild miteinander zu vergleichen, um Analogien und Unterschiede herauszustellen. In Roman Effi Briest geht es um Effis Leben: von ihrer Erziehung über ihre Eheschließung mit Innstetten, dem Kessiner Landrat, bis zu ihrem begangenen Ehebruch. In Sous l´orage geht es um das Frauenbild und folglich um die Situation der Frau in der traditionellen Gesellschaft. In dieser Gesellschaft wird der Frau nur eine Nebenrolle wie auch in der durch Tradition geprägten preußischen Gesellschaft im neunzehnten Jahrhundert zugewiesen, d.h. sie haben nur ihre Ehepflichten zu erfüllen, weil der Ehemann als Familienernährer und deren Oberhaupt nicht nur das letzte Wort in allen Familiensachen hat, sondern auch als deren Vertreter in allen Lebensbereichen in der Gesellschaft gilt. Folglich wird der Ehemann als der soziale Vormund der Frau angesehen. Am Beispiel von Kanys Eheschließungsfrage stellt Seydou Badian auch den untergeordneten gesellschaftlichen Status der Frau in der traditionellen Gesellschaft Afrikas in vielen Lebensphasen dar, nämlich von der Kindererziehung über die Eheschließung bis zum Eheleben.

Um es pointiert auszudrücken: Meine Untersuchung verfolgt das Ziel, Parallelen und Unterschiede zwischen den beiden Romanen durch die in den verschiedenen Lebensbereichen dargestellte soziale Situation der Frau herauszustellen. Von meiner Arbeitszielsetzung ausgehend, werden die beiden Romane miteinander anhand folgender Fragen verglichen: Wie werden die Frauen im Erziehungs- und Eheschließungsbereich bzw. Eheleben dargestellt? Sind ihre Handlungen selbst- oder fremdbestimmt? Aus dieser Perspektive unterstützen wir die Hypothese, dass die beiden ausgewählten Romane als Aufruf zu einem Mentalitätswandel verstanden werden können, um Geschlechterfragen im Sinne einer friedlichen, egalitären Gesellschaft zu berücksichtigen. Als Untersuchungsmethode fokussiert sich meine Arbeit auf die feministische Analysemethode, die ein ideologisch-kritischer Ansatz zur männlichen Herrschaft ist. Diese Methode zielt daher darauf ab, die Beziehungen und Strukturen patriarchaler Macht hervorzuheben, während sie gleichzeitig versucht, frauenfeindliche Denkmuster aufzudecken sowie zu verändern, und dabei unbewusste Dogmatismen hinterfragt:

  • «Feminism is an approach to textual analysis having its roots in the progressive Era in the early decades of 20th Century; whose goal is to change the degrading view of women […] By debunking stereotypical image of women found throughout the literary canon, by rediscovering and publishing texts written by females but suppressed by men; By rereading the canonized works of male authors from a woman’s point of view, and by engaging in the discussion of literary theory, Women can begin to challenge the concept of male superiority and work toward creating equality between sexes.» (C. E. Bressler 1994, p. 170)

Die Arbeit gliedert sich in ein Fazit und einen Hauptteil, der aus drei Unterteilen besteht.

  • [1] Dazu zählen vor allem: Molière Les Femmes savantes (1672), Olympe Marie de Gouges Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne (1791), Mary Wollstonecraft A Vindication oft he Rights of Woman (1792) in Europa und Awa Thiam La Parole aux négresses (1978), Mariama Bâ Une si longue lettre (1979) (ins Deutsche übersetzt : Ein so langer Brief), Guillaume Oyônô-Mbia Trois Pretendants…Un Mari (1985), Catherine Coquery-Vidrovitch Les Africaines (1994), Sangare Oumou Armand Diarra L´Afrique, un défi au féminin (1999), Moussa Konate Un Appel de nuit (2004), Les Impatientes (2020) von Djaïli Amadou Amal in Afrika.
  • [2] Wie z.B. Adultera (1882), Graf Petöfy (1884), Cécile (1887), Irrungen und Wirrungen (1888), Unwiederbringlich (1892), Frau Jenny Treibel (1893) usw. bei Fontane und Le Sang des Masques (1976), La Saison des Pièges (2008) bei Seydou Badian.
  • [3] Als eine Galionsfigur der zweiten Frauenrechtsbewegungswelle in Frankreich schrieb Simone de Beauvoir im Jahre 1949 ihren feministisch-existentialistischen Essay über den gesellschaftlichen Status der Frau betitelt Le Deuxième Sexe (dt. Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, 1951). In diesem Buch moniert sie die nicht angeborene, sondern sozial konstruierte Geschlechtsfunktion der Frauen, die sie unter folgende Aussage subsumiert: «On ne naît pas femme : on le devient.» (S. de Beauvoir 2016, p. 13).
  • [4] Fürst Otto von Bismarck (1815-1898) war der erste Kanzler des 1871 gegründeten Zweiten Deutschen Reiches von 1871 bis 1890.
  • [5] Carl Robert Lessing (1827-1911) Landgerichtsdirektor und Miteigentümer der Vossischen Zeitung.
  • [6] In diesem Sinne berichtete Fontane in einem Brief an Friedrich Spielhagen: «Mir wurde die Geschichte vor etwa 7 Jahren durch meine Freundin und Gönnerin Lessing (Vossische Zeitung) bei Tisch erzählt». (W. Schafarschik 1972, p. 93).

Zusammenfassung : Dieser Artikel vergleicht Theodor Fontanes Effi Briest (1895) und Seydou Badians Sous l´orage(1957) mit Fokus auf die soziale Stellung der Frau. Anhand eines feministischen Analyseansatzes werden die beiden Romane miteinander verglichen, indem versucht wird, die Rolle der Schriftsteller beim Aufbau einer friedlichen und egalitären Gesellschaft hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter : Emanzipation, Engagement, Genderfragen, Literatur, tradierte Gesellschaftsnormen

 LA CONDITION FÉMININE DANS EFFI BRIEST DE THEODOR FONTANE ET SOUS L´ORAGE DE SEYDOU BADIAN

 Résumé: Cet article a pour objectif de comparer Effi Breist (1895) de Theodor Fontane et Sous l´orage (1957) de Seydou Badian en s´intéressant à la condition sociale de la femme. En convoquant une grille de lecture féministe des deux romans choisis, cette contribution a mis en évidence la participation de l´écrivain à l´édification d´une nation où les questions de genre doivent être prises en compte en vue d´une société égalitaire apaisée.

Mots-clés: Femme, Littérature engagée, Question de genre, Société, Tradition

1.Frausein in Effi Briest und Sous l´orage: Durch ihre Frauengestalten stellen Theodor Fontane und Seydou Badian die soziale Lage der Frau in vielen Bereichen dar: von Mädchenerziehung- und Eheschließung über die Stellung der Frau in der Ehe bis zur weiblichen Rolle bezüglich der Bewahrung der Familienehre. Wie dieses Frauenbild in Effi Briest und Sous l´orage thematisiert wird, bildet den Angelpunkt dieses Teils.

Fazit :  Der Vergleich der Romane Effi Briest von Theodor Fontane und Sous l´orage von Seydou Badian bezüglich der Problematik des ,,Frauseins“ hat viele Tatsachen der Erscheinungsepochen der beiden Werke zur Kenntnis gebracht. Fontanes Effi Briest und Seydou Badians Sous l´orage liegen mehr als fünfzig Jahre auseinander. Grundlagen für die Romane sind verschiedene Gesellschaftsformen und Zeithorizonte, und doch haben die Frauengestalten der untersuchten Werke etwas sehr Wesentliches gemeinsam. Die beiden Romane beschreiben die Lage der Frau in vielen Lebensphasen: von ihrer Erziehung als Kinder über ihre Eheschließung bis zu ihrer ehelichen Lage. In den Romanen ist die Rolle der Frau genau festgelegt, denn alle alltäglichen Bereiche sind geschlechtsspezifisch aufgeteilt. In diesem Zusammenhang kommt der Frau in erster Linie die Rolle der fürsorgenden Mutter und der gehorsamen Frau zu. Sie ist dem Mann unterlegen und in allen gesellschaftlichen Dingen sehr abhängig. Während der Mann das Entscheidungsmonopol hat und der Welt der Arbeit, Herrschaft und Öffentlichkeit angehört, obliegen der Frau nur alle häuslichen Pflichten. In diesen patriarchalen Gesellschaften wird der Lebensweg eines jungen Mädchens vorgezeichnet: Sie heiratet einen Mann, der meistens von Eltern nach ökonomischen und gesellschaftlichen Kriterien ausgewählt worden ist. So wird die ganze Hochzeit von Eltern organisiert. Außerdem können die behandelten Romane als Kritik an der Gesellschaft verstanden werden, denn sie klagen eine Gesellschaftsform an, in der Konventionen vor Menschlichkeit und individuellen Gefühlen stehen. Folglich regt die dargelegte Situation der Frau zum Nachdenken an. Aus ihren Romanen ergibt sich, dass sich Fontane und Seydou Badian eine Gesellschaft wünschen, in der die Frauen ein gleichberechtigtes Leben führen könnten.

Bibliographie

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  • Bâ, M.. (200). Une si longue lettre. Dakar : © Les Nouvelles Éditions Africaines du Sénégal.
  • Becker, K. (1996). Königs Erläuterungen und Materialien: Theodor Fontane ,,Effi Briest“. Hollfeld: C. Bange Verlag.
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  • Bressler, C. E. (1994). Literary Criticism : an introduction to theory and practice. Hoboken: Prentice Hall.
  • de Beauvoir, S. (1949). Le Deuxième sexe II : L´expérience vécue. 14. Auflage. Paris : Gallimard.
  • Diabaté, I. (2021). Emanzipatorische Aufbrüche: Ehe-Romane von deutschen und malischen Autorinnen, Berlin : Peter Lang.
  • Diarra, M. (2023). Dynamiques socio-historiques dans les romans de Seydou Badian. Préface de Pr. Adama Coulibaly. Paris : L´Harmattan.
  • Diekhans, J. (Hrsg.). (2009). Theodor Fontane Effi Briest. Paderborn: Schöningh Verlag.
  • Fontane, T. (1971). Effi Briest.15. Auflage, 24. Band. Leipzig: Philipp Reclam jun.
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  • Geist, A. (2005). Effi Briest, Theodor Fontane: Inhalt-Hintergrund-Interpretation. München: mentor Verlag.
  • Grawe, C. (1985). Grundlagen und Gedanken zum Verständnis Erzählender  Literatur: Theodor Fontane, Effi Briest. Frankfurt am Main: © Verlag Moritz Diesterweg.
  • Isenberg, A. (2002). Effi auf Abwegen: Fremdheit und Befremdung in den Eheromanen Theodor Fontanes. Marburg: Tectum Verlag.
  • Krohn, D., Bengt, S. & Todtebhaupt, M.. (1998). Beiträge zur Effi-Briest-Forschung. Heft 1. Göteborg: am Germanistischen Institut der Universität Göteborg.
  • Les élèves du Collège Fatoumata Coulibaly rencontrent l´écrivain Seydou Badian. URL: http:// unlivrepourdeuxmains.bibliosansfrontieres.org/?p=163  [2026, 4 février).
  • Littérature africaine. Seydou Badian, écrivain malien: Textes commentés par M. et S. Battestini. Paris : Fernand Nathan Éditeur, 1971.
  • Rüth, N. (2008). Schweig stille, mein Herze: Die Problematik der Ehe und des Ehebruchs in den Romanen von Theodor Fontane. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller.
  • Schafarschik, W. (1972). Erläuterungen und Dokumente: Theodor Fontane Effi Briest. Stuttgart: Philipp Reclam jun.
  • Seydou B. (1972). Sous l´orage suivi de La Mort de Chaka. Paris: Présence Africaine.
  • Seydou B. (2008). La Saison des Pièges. Abidjan: NEI/CEDA; Paris: Présence Africaine.
  • Travélé, M. (1977). Proverbes et Contes Bambara. Paris: © Librairie orientaliste Paul Geuthner S.A….